Gestern begann vor einem Bezirksgericht in New York/Manhattan ein Markenrechtsprozess zwischen Gucci America und dem kalifornischen Denim-und Lifestyle-Label Guess. Gucci wirft seinem Konkurrenten, der allerdings nicht im Luxus- sondern vorwiegend im High-Street-Segment unterwegs ist, Plagiate diverser Gucci-Markenzeichen vor. Unter anderem geht es dabei um das „G“-Logo, mit denen Gucci alle seine Erzeugnisse versieht.
Die Klage wurde bereits im Jahr 2009 eingereicht. Richterin Shira Scheindlin kündigte jetzt ihren Urteilspruch in circa 14 Tagen an. Die Medien – unter anderem die „New York Times“ – fanden die Streitigkeiten der beiden Fashion-Konzerne allerdings bisher vor allem „unterhaltsam“.
Gucci reklamiert finanziellen Schaden von 124 Millionen US-Dollar
Gucci-Anwalt Louis Ederer startete dagegen seine Plädoyers dramatisch und warf den Kaliforniern vor, mit einem „massiven, komplexen Schema Guccis bekannteste und ikonische Designs zu verdrängen. Das Unternehmen reklamiert unter anderem, dass Guess seine angeblichen Gucci-Plagiate auf Produkten im Gesamtwert von 221 Millionen US-Dollar platziert hat. Die Italiener machen dafür einen finanziellen Schaden von über 124 Millionen US-Dollar geltend.
Guess: Kaum Verwechslungsgefahr zwischen Plastik und Luxus-Leder
Guess konterte eher ironisch – Anwalt Daniel Petrocelli: Wenn Guess ein Plagiats-Schema verfolgt haben sollte, ist das Unternehmen damit kläglich gescheitert – 99 Prozent der von Gucci insgesamt monierten 1.495 Guess-Produkte könnten niemals mit Gucci-Fashion verwechselt werden. Das Guess-Sortiment koste überwiegend unter 100 US-Dollar und wende sich vor allem an junge Frauen, die sich keine Luxusgüter leisten können – bei Guess-Accessoires mit dem strittigen Logo ginge es damit in der Regel nicht um Leder, sondern um Plastik. Außerdem könnte Guess schon deshalb die Markenrechte von Gucci nicht verletzen, weil das Unternehmen in den USA die Rechte an den jetzt umstrittenen Designs seit einem Zeitpunkt hält, der mindestens sieben Jahre vor dem Beginn des Rechtsstreits liegt.
Gucci hat in dem Verfahren übrigens mit Marc Fisher Footwear, dem exklusiven Guess-Lizenznehmer für Schuhe, der Max Leather Group und Swank Incl. noch weitere Fashion-Firmen wegen angeblicher Design-Plagiate verklagt. Eine Lösung wird vermutlich wie bei den meisten anderen rechtlichen Querelen in der Mode-Branche nicht durch ein Gerichtsurteil, sondern durch einen Vergleich erzielt.
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