Fast zeitgleich mit der heute beginnenden Pariser Modewoche stellten auch die großen französischen Luxus-Labels ihre Pre-Fall-Kollektionen 2012 vor: Zwei ebenso ästhetische wie tragbare Mode-Linien für den Übergang in die kalte Jahreszeit kamen von Christian Dior und Balenciaga.
Diors Interim-Chefdesigner Bill Gaytten präsentierte eine Kollektion mit sehr klassischen Silhouetten, die Fotoshootings wurden vor einer (Pariser?) Winterlandschaft aufgenommen. Nicolas Ghesquière setzte für die Pre-Fall-Linie von Balenciaga dagegen deutliche Farb-Akzente und liess sich für seine Kreationen von den frühen 1980er Jahren inspirieren.
Dior – unaufgeregte, feminine Bill-Gaytten-Kollektion
Die Dior-Kollektion zeigte unter anderem, dass Bill Gaytten, der Diors Design-Abteilung bis zu einer endgültigen Nachfolgereglung für John Galliano führt, immer stärker seine eigene ästhetische Handschrift ausprägt – unaufgeregt und weitab von der Dramatik der Entwürfe seines früheren Chefs. Seine Pre-Fall-Linie ist sehr feminin und steht für Pariser Chic für jeden Anlass. Bill Gayttens Entwürfe für den urbanen Alltag sind überwiegend in Schwarz-Weiss gehalten. Im Fokus stehen zeitlos-elegante Rock-Jacken-Ensembles – Gaytten setzt dabei auf Bleistiftröcke in Kombination mit kurzen Blazern, Capes und taillierten Mänteln – sehr schick ist ein schwarzer Latex-Coat mit Kunstpelz-Kragen und weiten Ärmeln.
Daneben gibt es luxuriöse Knitwear, Tweed und Leder, aber auch einige sehr schicke Tageskleider – schwarz, leicht drapiert und hochgeschlossen, oder auch ärmellos für wärmere Tage. Neben den Alltags-Outfits zeigte Dior eine sehr schöne und damenhafte Serie von Cocktail- und Abendkleidern. Farbakzente setzte hier – neben repräsentativen Roben in Schwarz und Nude – eine mädchenhafte Abend-Kreation in mattem Pink. Ein weiteres Highlight ist ein goldbraunes Abendkleid aus schimmerndem und fließendem Material im Stil der späten 1970er Jahre – übrigens das einzige „modehistorische Zitat“ der Kollektion.
Balenciaga – Nicolas Ghesquière spielt mit postmodernen Styles
Nicolas Ghesquière spielte mit dem Formen- und Farbenkanon der Mode der frühen 1980er Jahre – starke, mitunter grelle Farben und kontrastierende Zusammenstellungen, stark betonte Schultern und Pop-Art-Reminiszenzen sind die Markenzeichen seiner Pre-Fall-Kollektion für Balenciaga. Als Material verarbeitete er häufig luxuriöses Nappa-Leder – für Jacken gern in einem opulentem Lagen-Look, aber auch für schmale Lederröcke, breite Gürtel über Kleidern oder Röcken oder Lederhandschuhe mit hohen Stulpen. Um einen reinen Retro-Stil geht es Nicolas Ghesquière dabei trotzdem nicht, sondern eher um das ästhetische und an heutige Looks adaptierte Spiel mit der frühen „Postmoderne“.
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