Die Organisatoren der Berlin Fashion Week haben sich bei der Zusammenstellung des Schauenplans offenbar entschlossen, die kreativen Highlights der Berliner Fashion-Szene an einem einzigen Tag zu zeigen.
Auf den Start der Modewoche mit Escada Sports und Lena Hoschek folgten am Nachmittag und Abend die Schauen von „Augustin Teboul“, Dawid Tomaszewski sowie „Kaviar Gauche„.
Die drei thematisch und designerisch sehr unterschiedlichen Events zeigten eindrucksvoll, dass es auch in Deutschland Labels gibt, die sich einem Couture-Konzept verschrieben haben und ihre Arbeit außerdem mit Mut zum Experiment verbinden.
„Augustin Teboul“ – Baudelaire und dunkler Glamour
Annelie Augustin und Odèly Teboul gehören zu den vielversprechendsten Talenten der Berliner Mode-Szene. Für die Präsentation der Frühjahrs-Sommer-Kollektion ihres Labels „Augustin Teboul“ entschieden sie sich gegen eine „normale“ Runway-Show, sondern baten stattdessen zu einer Fashion-Installation in den Berliner Salon Dahlmann, zu der sie sich von Baudelaires Gedichtsammlung „Les Fleurs du Mal“ inspirieren ließen. An der Realisierung war neben den Designerinnen auch die Szenografin Zank Bosnjak beteiligt.
Augustin und Teboul gelten seit jeher als Expertinnen für „schwarze Fashion“ – auch ihre aktuelle Kollektion repräsentiert – nicht zuletzt im Sinne Baudelaires – dunklen Glamour. Fast alle Einzelteile – unter anderem fließende lange Roben, Minikleider mit Perlenstickereien, transparente Spitzen-Tops zu langen, schmalen Röcken – sind ausgesprochen Abend-tauglich. Ihre Models trugen dazu jeweils für „Augustin Teboul“ ikonischen Kopfschmuck aus schwarzen Perlen.
Dawid Tomaszewski – „Metamorphosis“ nach der Apokalypse
Dawid Tomaszewskis Kollektionen thematisieren in der Regel „große Fragen“ – seine letzte Fashion-Linie hieß „Vergänglichkeit“, auf die nun eine kreative Reflexion zu „Metamorphosis“ folgte. Tomaszewski selbst erklärte seine modische Vision nicht nur als Verwandlung sondern als das „Aufblühen einer neuen Ära nach der Apokalypse“.
Als designerisches Medium dafür arbeitete er unter anderem mit intensiven Materialkontrasten: Tüll, Chiffon und transparente Stoffe treffen in seiner Frühjahrs-Sommer-Kollektion 2013 auf Leder, Strick und voluminöses Makramee.
Inspirationen für die Looks fand Tomaszewski auf einer Tour durch Portugal – das Sonnenlicht an der portugiesischen Atlantik-Küste, die Bildwelten des Malers Eduardo Nery und insgesamt die Leichtigkeit des Südens finden sich in seinen explizit Couture-geprägten Entwürfen wieder.
„Kaviar Gauche“ – Berliner Couture und Leichtigkeit
Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl, das Designerinnen-Duo hinter dem Berliner Label „Kaviar Gauche“, entwarf für den nächsten Sommer eine sehr leichte, unbeschwerte Kollektion. Ihre Entwürfe überzeugten durch Couture-Qualität sowie zeitlose und größtenteils sehr schnörkellose Eleganz.
Farblich ist ihre aktuelle Fashion-Linie fast ganz in Schwarz, Weiß sowie hellem Zitronengelb gehalten. Charakteristisch für fast alle Looks waren schmale Silhouetten und fließende, teils transparente Stoffe.
Sehr artifiziell wirkten per Lasertechnik ausgestanzte Spitzen-Muster beispielsweise an einer wadenlangen Lederhose oder einer figurbetonen Tunika. Bei diversen „Kaviar Gauche“-Abendroben setzten Rüschen besondere Akzente – das absolute Highlight war hier ein Tüllkleid in Schattierungen von Gelb. Andere Abendkleider erhielten ihren Glamourfaktor dagegen gerade durch weitgehende „formale Reduktion“.
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