Der unausgesprochene Konsens der New York Fashion Week besteht in diesem Jahr offenbar in funktionaler und sich eher minimalistisch gebender City-Mode, der bisher nur von wenigen Kollektionen – etwa Oscar de la Renta mit einer opulenten Retro-Linie inklusive sehr repräsentativer Abendroben oder Marc Jacobs mit künstlerisch-„magisch“ inspirierten Entwürfen für seine Hauptlinie – verlassen wurde.
Die Kollektionen von Marc Jacobs jüngerer und etwas günstigerer Zweitlinie „Marc by Marc Jacobs“ sowie von Laura und Kate Mulleavy, den Designerinnen hinter dem kalifornischen Label Rodarte, präsentierten sich gestern auch vor diesem Hintergrund jeweils als kreative Highlights – mit eigenwilligen Design-Konzepten und sehr individueller Handschrift.
Unser Fazit in der Zusammenschau und für die Einzel-Kollektionen: Pop Art trifft Couture.
„Marc by Marc Jacobs“ – Pop-Art im neuen Jacobs-Stil
Die Runway-Show für „Marc by Marc Jacobs“ begann etwas kryptisch mit einem Sprechgesang: “ This is what you want, this is what you get“ (Dies ist das, was ihr wollt – und das, was ihr bekommt). Für Interpretationen bleibt hier naturgemäß ein Spielraum. Der neue voluminöse und oft recht verhüllende Design-Stil von Marc Jacobs legt nahe, dass aus seiner Sicht die
Marc Jacobs entwarf mit seinen letzten Kreationen – der Frühjahrs-Sommer-Kollektion für Louis Vuitton, seiner am Sonntag vorgestellten Hauptlinie und mit „Marc“ – nicht zuletzt unkonventionelle Gegenbilder außerhalb des High-Fashion-Mainstreams.
Für „Marc by Marc Jacobs“ kombinierte er Streetwear-Elemente mit seinen neuen losen Silhouetten – gebauschten Röcken, Kleidern, Jacken oder Mänteln mit hoch angesetzter Taille sowie geraden, schlichten Oberteilen. Akzente setzten florale Prints, schimmernde Materialien und bei einigen Einzelstücken auch Metallic-Looks. Als Accessoires kamen robuste Boots mit dicken Wollsocken zum Einsatz. Ein verspieltes, etwas ironisches Element prägte alle Kreationen.
Rodarte – Kalifornische Couture mit 1940er-Jahre-Flair
Die kalifornischen Designerinnen Kate und Laura Mulleavy präsentierten für ihr kleines, exklusives Label Rodarte eine weitere sehr elaborierte Mode-Linie – nicht umsonst gelten die beiden Schwestern in der Fashion-Branche als „Amerikas Antwort auf die französische Couture“. Mit „nur“ 38 Looks fiel ihre Kollektion für den Herbst und Winter 2012 etwas kleiner aus als ihre im September 2011 vorgestellte Sommerkollektion, steht jedoch nicht zuletzt für eine weitere Entwicklung respektive Präzisierung des Design-Profils von Rodarte.
Die Rodarte- Kreationen waren deutlich von Styles der 1940er Jahre inspiriert – innerhalb dieses Themenrahmens zeigten Kate und Laura Mulleavy das gesamte Spektrum ihrer Designer-Kunst. Mädchenhafte Kostüme standen neben schlichten Kleidern – unter anderem einigen recht eindrucksvollen Leder-Outfits – sowie sehr filigranen Looks für einen individuellen Abendauftritt.
Warme Lederjacken mit Fell-Applikationen und rustikale Strickpullover komplettierten die Entwürfe. Farblich dominierten warme Töne – etwa Terrakotta, Sand, einige Einzelteile in Pastell.
Ethno-Prints und andere grafische Motive – oft in Schwarz und Weiß gehalten – waren ein weiteres Markenzeichen der Rodarte-Kollektion.
Zusammen mit der neuen Fashion-Linie präsentierten die Mulleavy-Schwestern ihre erste eigene Schuh-Kollektion – geschnürte, hohe Boots und Plateau-Schuhe mit gestreiften Block-Absätzen aus Plexiglas. Laut Kate Mulleavy beginnt die Arbeit an jeder Mode-Linie von Rodarte mit einem Schuh-Entwurf, die Kollektion sei daher eine „natürliche Entwicklung“ und reflektiere die Marken-Ästhetik von Rodarte ebenso wie die Inspiration der aktuellen Looks des Labels.
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