Nach der Fashion Week in Kopenhagen ist in dieser Woche die schwedische Hauptstadt Stockholm Gastgeberin eines hochkarätigen Mode-Events. Seit Dienstag und noch bis heute Abend präsentieren vor allem skandinavische Labels und Designer ihre Arbeiten in der Ostsee-Stadt. Das Fazit der drei Modetage in Stockholm: Aktuelle skandinavische Mode ist funktional und oft puristisch. Vintage und/oder Ethno-Inspirationen flossen in die meisten Kollektionen ein. Einige Avantgarde-Highlights – etwa „V Avenue Shoe Repair“ mit ihren psychologisch inspirierten und skulpturähnlichen Rohrschach-Kleidern – setzten explizite künstlerische Akzente. Die eigentliche Klammer der einzelnen Performances bestand jedoch in konsequenter Individualität – hinsichtlich der „Handschriften“ der verschiedenen Designer, aber auch im Hinblick auf zukünftige Trägerinnen und Träger ihrer Kreationen.
Lässigkeit und Vintage-Stil
Die Kollektionen der schwedischen Designerin Carin Rodebjer oder des Labels Whyred sind exemplarisch für die Basis-Trends der vorgestellten Damenlinien. Rodebjer wandelte mediterrane Farbimpressionen in Neo Vintage-Outfits um: XXL-Röcke, Marlenehosen grobe Stickpullover, aber auch schmale knielange Kleider in Gelb, Orange und Beeren-Tönen. Das Motto ihrer legeren Kreationen: „Automatically Sunshine“. Demgegenüber setzte der Wyred-Designer Roland Hjort auf ebenso legere Klassik – Mantelkleider, legere Blazer, Seidenhosen, aber auch strenge Formen im Military-Stil.
Farblich bot die Kollektion einen Zusammenschnitt der aktuellen Trends: Rot im Kontrast zu Erdfarben, Camel oder schlichtem Weiß sowie großzügige, flächige Schnitte als Vorlage für Colourblockings. Auch die sehr trendige Männerkollektion von Ubi Sunt gab sich lässig: Herrenhosen aus fließenden Stoffen, knielange Anzughosen und Shorts-Blazer-Kombis wurden mit weiten T-Shirts, Hemden und diversen Westenformen kombiniert. Farblich dominierten – neben Schwarz – verschiedene Grautöne sowie Beige und Weiß.
Swedish Streetstyle
Die Modebloggerinnen von „Les Mads“ waren mit ihren Kameras nicht nur auf den Schauen sondern auch in den Straßen von Stockholm unterwegs. Die täglichen Fashion-Impressionen aus dem hohen Norden förderten zwei weitere spannende Seiten der Stockholm Fashion Week zutage. Erstens: Die Schauen – in größeren Locations, aber auch in diversen Ateliers und Showrooms in der Stadt – erscheinen für hiesige Verhältnisse erstaunlich informell. In der skandinavischen Fashion-Welt zählen offensichtlich nicht so sehr die perfekte Inszenierung und das Event als solches, sondern die pure Mode. Im Fokus standen Schnitte, Formen, Farben – die Essentials des jeweiligen Designers – und die individuelle Ausstrahlung der Models. Auch hier galt offenbar: Wenig Masken – viel Authentizität.
Zweitens: Der Swedish Streetstyle entspricht den gezeigten Kreationen geradezu perfekt und kongenial. Das ästhetische Credo des skandinavischen Designs – authentisch, alltagstauglich und trotzdem glamourös – trifft auf modischen Individualismus und Mut zum Fashion-Experiment im Alltag. Die Kreationen der Stockholm Fashion Week berühren sich unmittelbar mit dem realen Leben und verbleiben nicht in einem Kunst-Raum.
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